{"id":144,"date":"2016-10-11T12:44:34","date_gmt":"2016-10-11T10:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/karinahermes.de\/?p=144"},"modified":"2016-10-11T12:45:27","modified_gmt":"2016-10-11T10:45:27","slug":"flucht-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/2016\/10\/11\/flucht-teil-2\/","title":{"rendered":"Flucht Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4re der Flughafen in Akita gro\u00df gewesen, ich h\u00e4tte ernsthaft Probleme bekommen, mich zurecht zu finden. Zun\u00e4chst suchte ich nach einem M\u00fcnztelefon, um meinen Freund auf dem Laufenden zu halten und ihn zu bitten, meine Familie \u00fcber den Stand der Dinge zu informieren. Aufgrund der Notsituation war die Benutzung der Telefone kostenlos.<\/p>\n<p>Ich war nicht die einzige, die an diesem Tag von dort weg wollte. Viele Menschen waren in der Halle und wollten einfach den n\u00e4chstbesten Flug nehmen. Aus diesem Grund hatte die Fluggesellschaft Wartenummern verteilt, als w\u00e4ren wir beim Amt. Ich hatte Gl\u00fcck, dass ich kurzfristig einen Platz nach Tokyo Haneda erhalten habe. W\u00e4hrend des Fluges habe ich mir immer wieder in Gedanken gesagt, dass ich noch eine kleine Weile durchhalten muss, nur noch ein wenig.<\/p>\n<p>In Tokyo Haneda angekommen sagte ich meinem Freund Bescheid und war \u00fcbergl\u00fccklich, als ich ihn endlich sehen konnte. Nat\u00fcrlich w\u00fcnscht man sich beim ersten Treffen mit der Familie des Freundes einen guten Eindruck zu machen. Aber ich hatte tagelang nicht geduscht, war ein reines Nervenb\u00fcndel und zu nichts mehr zu gebrauchen. Nichts zu machen.<\/p>\n<p>Endlich konnte ich duschen, essen und mich ausruhen. Ich f\u00fchlte mich sicher und w\u00e4re vielleicht noch l\u00e4nger bei ihnen geblieben, wenn meine Familie nicht darauf bestanden h\u00e4tte, dass ich sofort den n\u00e4chsten Flug nach Hause nehme. Ich musste einsehen, dass es das beste war, obwohl mich das sehr traurig machte.<\/p>\n<p>Nach einer schlaflosen Nacht machten wir uns am n\u00e4chsten Morgen auf den Weg nach Tokyo Narita. Der Flug sollte gegen drei Uhr starten und ich sollte dann in Amsterdam von meiner Familie abgeholt werden. Am riesigen Flughafen Narita war sehr viel los. Ein Angestellter hat uns dar\u00fcber informiert, dass der Flug sich verl\u00e4ngern w\u00fcrde. Es war ein l\u00e4ngerer Zwischenstopp von etwa zwei Stunden in Osaka geplant, da Lufthansa entschieden hatte, ihr Personal von Tokyo nach Osaka zu verlegen. Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde Tokyo von Lufthansa gar nicht mehr angefolgen.<\/p>\n<p>Nach dem gr\u00fcndlichen Security-Check ist mir w\u00e4hrend dem Weg zum richtigen Gate aufgefallen, dass meine eigentliche Boarding-time schon l\u00e4ngst vorbei war. Aber meine Sorge war unbegr\u00fcndet, denn die Boarding-time f\u00fcr den Flug war verl\u00e4ngert worden. Der Kapit\u00e4n bekundete in einer kurzen Ansprache sein Beileid mit allen, die durch die Katastrophe gesch\u00e4digt worden waren oder Angeh\u00f6rige verloren hatten. W\u00e4hrend des Fluges hatte ich zu meiner Rechten eine nette Japanerin sitzen, mit der ich mich eine ganze Weile unterhielt. Sie hatte Verwandte in Europa zu denen sie nun vorerst wollte. Der Flug kam mir endlos lang vor und ich befand mich st\u00e4ndig zwischen Wachen und Wegnicken.<\/p>\n<p>Es war Nacht, als wir endlich in Amsterdam ankamen. Noch im Flugzeug sah ich vor mir ein junge Mutter, die in einem Tragetuch einen kleinen S\u00e4ugling dabei hatte. Au\u00dferdem hatte sie eine Menge Handgep\u00e4ck und wirkte recht verlassen. Kurzerhand bot ich meine Hilfe an und griff mir zwei ihrer Taschen. Zusammen gingen wir hinaus in den Flughafen. Zum Gl\u00fcck wurde sie dort von ihrem Mann, der im Ausland arbeitete, abgeholt.<\/p>\n<p>Nachdem ich endlich meinen Koffer gefunden hatte, trat ich in die Empfangshalle. Meine Eltern, mein Bruder und meine Schwester waren da. Alle waren erleichtert, aber auch sehr sehr ersch\u00f6pft. Gegen halb eins morgens waren wir wieder zu Hause. Sofort habe ich meinem Freund Bescheid gesagt und mich am n\u00e4chsten Morgen in Ichinoseki gemeldet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies ist also die Geschichte meiner Flucht aus Japan. K\u00f6rperlich war ich wieder zu Hause in Deutschland. In Sicherheit bei meiner Familie. Innerlich war ich noch lange nicht angekommen. Die Umst\u00e4nde der Abreise, die Pl\u00f6tzlichkeit, die Bedrohung von Freunden und Bekannten durch Fukushima usw. haben nat\u00fcrlich weitergewirkt.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Beitrag m\u00f6chte ich auf die weitere Situation des Kinderheims eingehen und erl\u00e4utern, wie es dort heute aussieht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4re der Flughafen in Akita gro\u00df gewesen, ich h\u00e4tte ernsthaft Probleme bekommen, mich zurecht zu finden. Zun\u00e4chst suchte ich nach einem M\u00fcnztelefon, um meinen Freund auf dem Laufenden zu halten und ihn zu bitten, meine Familie \u00fcber den Stand der Dinge zu informieren. Aufgrund der Notsituation war die Benutzung der Telefone kostenlos. Ich war nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/2016\/10\/11\/flucht-teil-2\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Flucht Teil 2<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-144","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-japan-2011"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=144"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/144\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":149,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/144\/revisions\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=144"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}