{"id":206,"date":"2016-12-03T20:24:46","date_gmt":"2016-12-03T19:24:46","guid":{"rendered":"https:\/\/karinahermes.de\/?p=206"},"modified":"2016-12-04T14:46:37","modified_gmt":"2016-12-04T13:46:37","slug":"schwanger-100-tage-sperrfrist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/2016\/12\/03\/schwanger-100-tage-sperrfrist\/","title":{"rendered":"Schwanger? &#8211; 100 Tage Sperrfrist"},"content":{"rendered":"<p>Als ich heute einen Artikel zum Thema &#8222;Namensrecht&#8220; gelesen habe, bin ich auf eine andere Tatsache gesto\u00dfen, die mir noch mehr zu denken gab, als das verworrene japanische Namensrecht.<\/p>\n<p>Dies ist die sogenannte &#8222;Sperrzeit von 100 Tagen f\u00fcr eine erneute Heirat nach einer Scheidung f\u00fcr schwangere Frauen&#8220;. Das bedeutet im Klartext: Will eine Frau nach einer Scheidung fr\u00fchzeitig erneut heiraten, so muss sie erst einen Arzt aufsuchen. Dieser muss ihr best\u00e4tigen, dass sie nicht schwanger ist. Ansonsten darf sie f\u00fcr einen Zeitraum von 100 Tagen nicht erneut heiraten, unabh\u00e4ngig davon, ob die Scheidung einvernehmlich ist und einer erneuten Partnerschaft auch sonst nichts im Wege steht.<\/p>\n<p>Warum? Weil das japansiche Zivilrecht es sich in Fragen &#8222;Vaterschaft&#8220; mehr als leicht macht. Darin hei\u00dft es, dass alle Kinder, die innerhalb von 300 Tagen nach einer Scheidung geboren werden, als Kinder des Exmannes zu betrachten sind. Und alle Kinder, die nach 200 Tagen nach einer Heirat geboren werden, die Kinder des gegenw\u00e4rtigen Ehemannes sind. Also muss ein Zeitraum von 100 Tagen \u00fcberbr\u00fcckt werden, um Streitigkeiten bez\u00fcglich der Vaterschaft zu verhindern. Jeder Mann wei\u00df, welches Kind ihm geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher betrug diese Art der Sperrfrist f\u00fcr schwangere Frauen sogar sechs Monate. Dagegen wurde im vergangenen Jahr vor dem Obersten Gerichtshof Japans geklagt und es wurde geurteilt, dass eine Sperrfrist, die 100 Tage \u00fcbersteigt, verfassungswidrig sei. Nur zwei von 15 Richtern waren der Ansicht, dass eine Sperrfrist an sich schon gegen die Verfassung und gegen die Selbstbestimmungsrechte der Frau verst\u00f6\u00dft. Die \u00fcbrigen vertraten die Haltung, dass eine Sperrfrist von 100 Tagen n\u00f6tig sei, um die soziale Stellung des Kindes zu sichern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-207\" src=\"https:\/\/karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/imasia_11667686_M-300x199.jpg\" alt=\"imasia_11667686_m\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/imasia_11667686_M-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/imasia_11667686_M.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Diese Regelungen zeigen eine enorme Realit\u00e4tsferne. Zun\u00e4chst werden Kinder nicht nur innerhalb von Ehen geboren. Sie werden vorher, parallel dazu mit anderen Partnern oder sp\u00e4ter gezeugt. Dies wird ausgeschlossen oder schlichtweg ignoriert. Nachwievor besteht die Vorstellung, dass Kinderkriegen nur in Ehen stattfindet.<\/p>\n<p>Des weiteren ignoriert diese Sperrfrist grundlegende Selbstbestimmungsrechte der Frauen. Ihr Uterus ist mit dem Kind des Exmannes belegt. Eine Verbindung zu ihrem Exmann ist nicht aufzuheben, es sei denn, sie w\u00fcrde das Kind abtreiben. Die M\u00f6glichkeit mit einem neuen Partner \/ Ehepartner neu zu starten und das Kind als Kind des neuen Partners zu betrachten, wird so ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Das ganze ist eklatant nur vom Standpunkt der M\u00e4nner und potentiellen V\u00e4ter her gedacht. Es wird \u00fcber den Kopf der Frauen und Kinder hinweg der &#8222;Besitzer&#8220; des Kindes &#8222;errechnet&#8220;. Sicher ist es bequemer, eine solche Fristenl\u00f6sung zu verwenden, statt sich mit Vaterschaftstests rumzuschlagen. In einer modernen Industrienation sollte es jedoch m\u00f6glich sein, Regelungen zu finden, die die Rechte der Frauen anerkennen und nicht vollends an der Realit\u00e4t vorbeischrammen.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/digital.asahi.com\/articles\/ASJCP7FLSJCPUTIL04D.html?_requesturl=articles%2FASJCP7FLSJCPUTIL04D.html&amp;rm=564\">http:\/\/digital.asahi.com\/articles\/ASJCP7FLSJCPUTIL04D.html?_requesturl=articles%2FASJCP7FLSJCPUTIL04D.html&amp;rm=564<\/a><\/p>\n<p>und<\/p>\n<p>http:\/\/www.asahi.com\/articles\/ASJ5075XZJ50UTIL06D.html<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich heute einen Artikel zum Thema &#8222;Namensrecht&#8220; gelesen habe, bin ich auf eine andere Tatsache gesto\u00dfen, die mir noch mehr zu denken gab, als das verworrene japanische Namensrecht. Dies ist die sogenannte &#8222;Sperrzeit von 100 Tagen f\u00fcr eine erneute Heirat nach einer Scheidung f\u00fcr schwangere Frauen&#8220;. 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