{"id":285,"date":"2017-07-04T18:46:03","date_gmt":"2017-07-04T16:46:03","guid":{"rendered":"https:\/\/karinahermes.de\/?p=285"},"modified":"2017-07-04T18:46:03","modified_gmt":"2017-07-04T16:46:03","slug":"trautes-heim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/2017\/07\/04\/trautes-heim\/","title":{"rendered":"Trautes Heim &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Hat man einmal die gesch\u00fctzte Umgebung der Gastfamilie oder des internationalen Wohnheimes verlassen und schaut sich auf dem Wohnungsmarkt nach einer neuen Bleibe um, so wird man als Nicht-Japaner oftmals mit ungeahnten Problemen konfrontiert. Denn es gibt kein Gesetz, das Hausbesitzern verbieten w\u00fcrde, aufgrund der Nationalit\u00e4t einen Bewerber per se auszuschlie\u00dfen. Das hei\u00dft, Vermieter und Hausverwaltung k\u00f6nnen offen ausl\u00e4ndische Bewerber aufgrund ihrer Nationalit\u00e4t rundweg ablehnen oder ihnen versch\u00e4rfte Bedingungen auferlegen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-288\" src=\"https:\/\/karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_0137-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_0137-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_0137-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_0137-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Dabei scheint es keinen Unterschied zu machen, ob die Bewerber gut ausgebildet sind, gut bezahlt werden und eine sichere Arbeitsstelle vorzuweisen haben. So waren\u00a0selbst Universit\u00e4tsprofessoren oder Angestellte japanischer Firmen ausl\u00e4ndischer Herkunft unerw\u00fcnscht. Auch Nicht-Japaner, die schon lange in Japan leben und nahezu perfekt Japanisch sprechen, haben diese Erfahrung gemacht. Selbst Personen, die einen japanischen Elternteil haben oder deren Ehepartner Japaner ist, wurden kategorisch ausgeschlossen. Besonders skeptisch werden potentielle Mieter\u00a0aus dem asiatischen Ausland be\u00e4ugt. Hier halten sich Vorurteile hartn\u00e4ckig, da einzelne F\u00e4lle, in denen weitere Personen unerlaubterweise mit in der Wohnung lebten, medial Wellen geschlagen haben.<\/p>\n<p>Einer Umfrage des Justizministeriums zufolge gaben 40% der befragten Ausl\u00e4nder an, die in den letzten 5 Jahren auf Wohnungssuche waren, aufgrund ihrer Herkunft abgelehnt worden zu sein. Es wird vermutet, dass etwa 60% der Wohnungen auf dem Markt von vornherein f\u00fcr ausl\u00e4ndische Bewerber unerreichbar sind.<\/p>\n<p>Besteht kein genereller Ausschluss ausl\u00e4ndischer Mieter, ist in vielen F\u00e4llen mit gesonderten Auflagen, mehr Papierkram und h\u00f6heren Kosten zu rechnen. Es ist Usus, dass Ausl\u00e4nder\u00a0die doppelte Summe an Kaution und Schl\u00fcsselgeld zahlen m\u00fcssen (Schl\u00fcsselgeld kann zwischen einer und drei Monatsmieten betragen und wird nicht bei Ende des Vertrages zur\u00fcckerstattet; es ist mehr eine Art unfreiwilliges Geschenk an den Vermieter). Des weiteren verlangen Hausbesitzer oder die Verwaltung h\u00e4ufig einen B\u00fcrgen (japanischer Herkunft), der im Falle von Mietschulden oder Sch\u00e4den an der Mietsache die Kosten \u00fcbernimmt. Dieser B\u00fcrge kann eine Privatperson oder auch eine Firma\u00a0sein. Handelt es sich um den Arbeitgeber, k\u00f6nnte\u00a0dies im schlechtesten Fall sogar als Druckmittel gegen den ausl\u00e4ndischen Arbeitnehmer verwendet werden.<\/p>\n<p>Doch wieso wird nicht-japanischen Bewerbern das Leben so schwer gemacht? Gr\u00f6\u00dfte Angst der Hausbesitzer und -verwaltungen sind Probleme aufgrund von (vermuteten) Sprachbarrieren. Die Vorstellung sitzt tief, dass Ausl\u00e4nder nicht in der Lage sind, sich auf Japanisch zu verst\u00e4ndigen. Weiterhin werden\u00a0Ausl\u00e4nder verd\u00e4chtigt, sich nicht an die Regeln des Zusammenlebens, insbesondere in Bezug auf M\u00fclltrennung und -beseitigung, zu halten. Hinzu kommt die Bef\u00fcrchtung, dass die ausl\u00e4ndischen Mieter bei der Zahlung der Miete in Verzug geraten und im Zweifelsfall \u00fcber alle Berge sind. Diese negativen Bilder\u00a0halten sich auch deshalb so gut, da der Gro\u00dfteil der Hauseigent\u00fcmer bereits jenseits der 60 ist und sich kaum bereit zeigt, Klischees\u00a0zu revidieren. Laut <em>Japan Times<\/em> liegen jedoch keine statistischen Belege vor, die diese Behauptungen unterst\u00fctzen. Vielmehr stehen Nicht-Japaner st\u00e4ndig unter dem Druck, beweisen zu m\u00fcssen, dass sie weder unzuverl\u00e4ssig oder unordentlich noch rebellisch sind.<\/p>\n<p>Makler und spezielle\u00a0Verwaltungsfirmen schlagen Gewinn\u00a0aus dieser Situation. Sie mieten unter dem Namen der Firma Wohnraum, leisten Zahlungen, \u00fcbernehmen Kosten f\u00fcr die Instandhaltung und treten als B\u00fcrge ein. Diese Wohnungen werden dann an Ausl\u00e4nder weitervermietet. Nat\u00fcrlich fallen f\u00fcr den Mieter dadurch zus\u00e4tzliche Kosten an. Dar\u00fcber hinaus wird dieser Service bei weitem nicht im ganzen Land angeboten.<\/p>\n<p>Ohne eine solide gesetzliche Grundlage wird es kaum m\u00f6glich sein, die Situation ausl\u00e4ndischer Mieter in Japan zu verbessern. Auch die Klage eines belgischen Studenten gegen seine Ablehnung aufgrund seiner Nationalit\u00e4t wurde abgewiesen. Das Gericht sah in der Weigerung der Hausbesitzer keinen Versto\u00df gegen die Menschenrechte des ausl\u00e4ndischen Bewerbers, der sich diskriminiert f\u00fchlte. Gegenw\u00e4rtig haben Vermieter und Verwaltung freie Hand, was den Umgang mit und die Auflagen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Mieter betrifft. Bestrebungen,\u00a0die Lage zu verbessern, sind zwar vorhanden; beispielsweise werden nun Leitlinien in mehreren Sprachen herausgegeben, um ausl\u00e4ndische potentielle Mieter besser zu informieren und Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen. Aber die gro\u00dfen Vorbehalte in den K\u00f6pfen der Menschen werden kaum durch gutes Zureden zu beseitigen sein.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>http:\/\/www.japantimes.co.jp\/community\/2017\/07\/02\/issues\/no-foreign-tenants-not-much-can-you-can-do\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat man einmal die gesch\u00fctzte Umgebung der Gastfamilie oder des internationalen Wohnheimes verlassen und schaut sich auf dem Wohnungsmarkt nach einer neuen Bleibe um, so wird man als Nicht-Japaner oftmals mit ungeahnten Problemen konfrontiert. Denn es gibt kein Gesetz, das Hausbesitzern verbieten w\u00fcrde, aufgrund der Nationalit\u00e4t einen Bewerber per se auszuschlie\u00dfen. 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