{"id":378,"date":"2021-04-19T13:31:42","date_gmt":"2021-04-19T11:31:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/?p=378"},"modified":"2021-04-22T22:43:05","modified_gmt":"2021-04-22T20:43:05","slug":"einrichtungen-des-kinder-und-jugendschutzes-in-japan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/2021\/04\/19\/einrichtungen-des-kinder-und-jugendschutzes-in-japan\/","title":{"rendered":"Einrichtungen des Kinder- und Jugendschutzes in Japan"},"content":{"rendered":"\n<p>Das japanische Sozialsystem h\u00e4lt einige Mechanismen bereit, die Minderj\u00e4hrige sch\u00fctzen und Familien in schwierigen Situationen unterst\u00fctzen sollen. W\u00e4hrend meines Studiums und Aufenthalts in Japan habe ich mich genauer mit diesem Bereich befasst und m\u00f6chte einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Einrichtungen geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Anlaufstelle f\u00fcr Familien mit Problemen, bei Erziehungsfragen oder bei Verdacht auf Misshandlung von Kindern ist die sogenannte <em>jid\u014d s\u014ddanjo<\/em>. W\u00f6rtlich \u00fcbersetzt hie\u00dfe dies \u201eKinderberatungsstelle\u201c; da diese Beh\u00f6rde aber Ratschl\u00e4ge und Hilfe zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen anbieten, statt sich direkt an Kinder zu richten, ist \u201eErziehungsberatungsstelle\u201c hier die passendere \u00dcbersetzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesetzlichen Vorgaben entsprechend gibt es in jeder Pr\u00e4fektur und jeder designierten Stadt Japans eine Erziehungsberatungsstelle. Sie sind nicht nur in der Lage, Familien zu unterst\u00fctzen und Hilfe in Erziehungsfragen zu geben, sondern auch befugt, Untersuchungen von Haushalten einzuleiten und Familiengerichte einzuschalten. Die Erziehungsberatungsstellen nehmen zudem Hinweise zu Misshandlungen entgegen und gehen dem nach. Dar\u00fcber hinaus liegt die praktische Entscheidung einer Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in sozialen Einrichtungen bei ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufgaben und Befugnisse sind also durchaus vergleichbar mit denen des deutschen Jugendamts. Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass die Positionen in der Erziehungsberatungsstelle oft von Verwaltungsbeamten besetzt werden, die nach einigen Jahren eine andere Stelle \u00fcbernehmen. Dadurch herrscht viel Fluktuation und es mangelt oft an sozialp\u00e4dagogischem Wissen, das gerade in diesem Bereich n\u00f6tig w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wichtigsten Einrichtungen der Kinder- und Jugendf\u00fcrsorge in Japan sind S\u00e4uglingsheime, Mutter-Kind-Heime, Erziehungsheime und Kinderheime.<\/p>\n\n\n\n<p>In den S\u00e4uglingsheimen (<em>ny\u016bjiin<\/em>) werden S\u00e4uglinge und Kleinkinder bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres aufgenommen. Die Mutter-Kind-Heime (<em>boshiry\u014d<\/em>) nehmen alleinerziehende M\u00fctter mit ihren Kindern auf, wenn sich die Familie in einer finanziell prek\u00e4ren Situation befindet oder F\u00e4lle h\u00e4uslicher Gewalt vorliegen. Sie k\u00f6nnen in den Einrichtungen leben, bis das j\u00fcngste Kind f\u00fcr ausreichend selbstst\u00e4ndig und erwachsen befunden wird. Vergleichbare Einrichtungen f\u00fcr alleinerziehende V\u00e4ter lassen sich im \u00dcbrigen an einer Hand abz\u00e4hlen. Des Weiteren gibt es Erziehungsheime (<em>ky\u014dgoin<\/em>), die Kinder und Jugendliche aufnehmen, welche Straftaten verschiedenster Art begangen haben. Bemerkenswert ist, dass auch Minderj\u00e4hrige hier aufgenommen werden, bei denen die blo\u00dfe Bef\u00fcrchtung besteht, sie k\u00f6nnten aufgrund eines schlechten Umganges oder famili\u00e4rer Schwierigkeiten zu Straftaten verleitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Kinder- und Jugendlichen in staatlicher Obhut lebt in den <em>jid\u014d y\u014dgoshisetsu<\/em>, den Kinderheimen. Nur in den seltensten F\u00e4llen handelt es sich bei ihnen um Waisen im eigentlichen Sinne. Meist sind die Eltern nicht in der Lage, sich um die Kinder zu k\u00fcmmern, sei es aufgrund von Krankheit oder Armut; oder die Minderj\u00e4hrigen sind Opfer von Gewalt und Vernachl\u00e4ssigung geworden und zu ihrem eigenen Schutz an das Heim \u00fcbergeben worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies sind die klassischen Einrichtungen, die f\u00fcr den Schutz von Kindern und Jugendlichen sorgen sollen. Daneben sind Adoption und Unterbringung bei Pflegeeltern auch in Japan eine M\u00f6glichkeit. Diese Optionen spielten lange Zeit eher eine untergeordnete Rolle. Doch sowohl von Seiten der japanischen Regierung als auch durch Bestrebungen auf Universit\u00e4ts-\/Forschungsebene zeichnet sich ein Wandel ab, und die Auffassung, wonach m\u00f6glichst \u201efamilien\u00e4hnliche\u201c Strukturen f\u00fcr Kinder generell besser sind, gewinnt an Zulauf. Mehr dazu findet ihr in meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/2021\/04\/22\/die-kinder-des-japanischen-staates\/\" data-type=\"post\" data-id=\"213\">Die Kinder des japanischen Staates<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das japanische Sozialsystem h\u00e4lt einige Mechanismen bereit, die Minderj\u00e4hrige sch\u00fctzen und Familien in schwierigen Situationen unterst\u00fctzen sollen. W\u00e4hrend meines Studiums und Aufenthalts in Japan habe ich mich genauer mit diesem Bereich befasst und m\u00f6chte einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Einrichtungen geben. 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