{"id":4,"date":"2016-08-13T15:30:14","date_gmt":"2016-08-13T15:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/karinahermes.de\/?p=4"},"modified":"2016-08-13T15:30:14","modified_gmt":"2016-08-13T15:30:14","slug":"tokyo-monogatari","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/2016\/08\/13\/tokyo-monogatari\/","title":{"rendered":"Tokyo Monogatari"},"content":{"rendered":"<p>In Tokyo Monogatari spielen die leisen T\u00f6ne die Hauptrolle. Familie, Eltern-Kind Beziehungen bzw. die Abl\u00f6sung von Alt durch Neu stehen im Vordergrund und werden in ruhiger Weise thematisiert. Zugleich ist er ein Dokument der Zeitgeschichte, da er das Leben in den 50er Jahren in Japan (nicht lange nach Ende des Krieges) protr\u00e4tiert.<\/p>\n<p>Der Film von 1953 stammt von Yasujiro Ozu. Er ist das bekannteste Werk des Regisseurs und gilt als einer der besten Filme aller Zeiten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-19\" src=\"https:\/\/karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/title-300x138.jpg\" alt=\"TokyoMonogatariTitle\" width=\"300\" height=\"138\" srcset=\"https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/title-300x138.jpg 300w, https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/title.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Das \u00e4ltere Ehepaar Shukichi und Tomi Hirayama macht sich von ihrem Dorf aus auf den Weg nach Tokyo, um dort die erwachsenen Kinder zu besuchen. Doch weder ihr \u00e4ltester Sohn, noch die Tochter haben Zeit und Lust, sich um die Eltern zu k\u00fcmmern. Nur die Witwe ihres verstorbenen Sohnes, die B\u00fcroangestellte Noriko, empf\u00e4ngt sie mit liebevoller Gastfreundschaft.<\/p>\n<p>Um die Eltern loszuwerden, schicken die Kinder die beiden in einen Kurort ans Meer. Dort f\u00fchlen sie sich jedoch nicht wohl. Als sich auch noch Tomis Gesundheitszustand verschlechtert, kehrt das Ehepaar nach Tokyo zur\u00fcck. Sie sind gezwungen, sich zu trennen, da keiner der beiden Kinder bereit ist, beide Elternteile bei sich aufzunehmen.<\/p>\n<p>Auf der Heimreise ins Dorf geht es Tomi immer schlechter, sodass sie einen Zwischenstopp bei ihrem j\u00fcngsten Sohn in Osaka einlegen. Zur\u00fcck zu Hause verstirbt Tomi bald darauf. W\u00e4hrend die eigenen Kinder sich kurz nach der Beerdigung wieder auf den R\u00fcckweg machen, bleibt Noriko als Unterst\u00fctzung bei ihrem Schwiegervater. Als auch Noriko abreisen muss, bittet der dankbare Shukichi sie darum, erneut zu heiraten. Noriko gibt zu, dass das Leben als Witwe tats\u00e4chlich schwer f\u00fcr sie ist. Als Zeichen seines Verst\u00e4ndnisses schenkt Shukichi ihr die Uhr seiner verstorbenen Frau.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-20\" src=\"https:\/\/karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Tokyo_Story_large-300x168.jpg\" alt=\"TokyoMonogatariNoriko\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Tokyo_Story_large-300x168.jpg 300w, https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Tokyo_Story_large-768x430.jpg 768w, https:\/\/blog.karinahermes.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Tokyo_Story_large.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Die Beziehungen innerhalb der Familie, insbesondere die Eltern-Kind-Beziehung, stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Obwohl die Eltern mehr F\u00fcrsorge und Aufmerksamkeit von ihren Kindern erwarten k\u00f6nnten, beschweren sie sich nicht. Sie geben ihnen nicht die Schuld an ihrem Verhalten, sondern verstehen, dass die Anforderungen des Lebens in der Stadt ihre Kinder beeinflussen.<\/p>\n<p>Deutlich Kritik \u00e4u\u00dfert nur die j\u00fcngste Tochter der Familie am Verhalten ihrer Geschwister. Sie ist w\u00fctend \u00fcber deren Undankbarkeit und m\u00f6chte nie so werden wie ihre Geschwister.<\/p>\n<p>Doch in einer bedeutenden Szene des Films wird sie von Noriko, der einzigen, die sich offenbar korrekt verhalten hat, darauf hingewiesen, dass dies der normale Lauf der Dinge ist. Kinder und Eltern driften auseinander und f\u00fchren ein Leben in getrennten Welten.<\/p>\n<p>Auch Noriko, die als Witwe lebt, empfindet sich nicht als unschuldig. Innerlich hat sie sich schon ein wenig von ihrem verstorbenen Mann getrennt, sodass sie sich gegen\u00fcber ihm und seiner Familie schuldig f\u00fchlt. Erst durch ihre Schwiegereltern und letztlich durch das Geschenk wird sie &#8222;freigesprochen&#8220; und kann ein neues Leben beginnen.<\/p>\n<p>Die Familie als Bild des Zusammenhalts und der Geschlossenheit wird hier auf die Probe gestellt. Auch der traditionell starke Fokus auf die Familie in Japan ist modernen Einfl\u00fcssen unterworfen. Hinzu kommt das nat\u00fcrliche Losl\u00f6sen der Kinder vom Elternhaus. Es kommt zu Spannungssituationen, die aber nicht offen ausbrechen. Das kann f\u00fcr den Zuschauer unbefriedigend sein, ist aber durchaus realistisch. Nicht jeder ist es gewohnt, andere direkt mit seinem \u00c4rger und seiner Entt\u00e4uschung zu konfrontieren. Oft sehen wir, wie Noriko oder die Gro\u00dfeltern ihre Gef\u00fchle unter einem L\u00e4cheln verbergen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich m\u00f6chte ich noch etwas zum besonderen Stil des Filmes sagen. Ozu hat einen n\u00fcchternen und undramatischen Film geschaffen. Auff\u00e4llig ist die geringe H\u00f6he der Kameraposition, und dass die Kamera kaum bewegt wird. W\u00e4hrend Konversationen schauen wir mitunter direkt dem Sprecher ins Gesicht. Interessant sind zudem die sogenannten &#8218;leeren Bilder&#8216;, die eine kurze Szene zeigen, die nicht unmittelbar zur Geschichte geh\u00f6rt. Es werden Gegenst\u00e4nde oder Landschaften gezeigt. Man vermutet, dass sie als Platzhalter f\u00fcr die Gef\u00fchle der Charaktere oder der Zuschauer dienen sollen. So ganz genau wei\u00df man das aber nicht.<\/p>\n<p>Erstmals gesehen habe ich den Film 2012. Danach habe ich ihn auch mit meiner Mutter und Schwester geschaut, die (trotzdem es nur deutschen Untertitel gab) zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt waren. Meine Lieblingsszene ist die, in der Noriko Kyoko erkl\u00e4rt, dass ihre Geschwister keine gewissenlosen Menschen sind, und dass das Leben einfach entt\u00e4uschend ist in vielerlei Hinsicht. Die harte Realit\u00e4t, wieder geschm\u00fcckt mit einem L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Alles in allem ist es ein besonderer Film japanischen Stils, der unaufgeregt die Ver\u00e4nderung und Entfremdung in einer japanischen Familie der 50er nachzeichnet. Wenn man sich auf die ruhige Erz\u00e4hlweise und den japanischen Stil einlassen kann, dann ist er sehr interessant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Tokyo Monogatari spielen die leisen T\u00f6ne die Hauptrolle. Familie, Eltern-Kind Beziehungen bzw. die Abl\u00f6sung von Alt durch Neu stehen im Vordergrund und werden in ruhiger Weise thematisiert. Zugleich ist er ein Dokument der Zeitgeschichte, da er das Leben in den 50er Jahren in Japan (nicht lange nach Ende des Krieges) protr\u00e4tiert. Der Film von &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/2016\/08\/13\/tokyo-monogatari\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Tokyo Monogatari<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-4","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-filmeundserien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4\/revisions\/22"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.karinahermes.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}