Ai no mukidashi

Das ist ein Film, der immer wieder Spaß macht. Obwohl mit 237 Minuten ziemlich lang, habe ich ihn schon mehrere Male gesehen.

2008 kam ai no mukidashi unter der Regie von Sion Sono heraus. Die Hauptrollen werden von Takahiro Nishijima (Yu), Hikari Mitsushima (Yoko) und Sakura Ando (Aya) gespielt.

Yu ist Sohn einer katholischen Familie (selten und seltsam). Nachdem die Mutter stirbt, wird sein Vater immer strenger und schließlich Pfarrer. Er verlangt von Yu, jeden Tag zu beichten. Doch Yu ist ein guter Junge, der eigentlich nie Sünden begeht. Sein Vater glaubt ihm nicht, sodass Yu, um den Vater zu provozieren und Aufmerksamkeit zu bekommen, absichtlich Sünden begeht. Gemeinsam mit anderen Tunichtguten beginnt er, Mädchen unter die Röcke zu fotografieren.

Die Jungs werden wahre Experten im „Upskirting“. Als Yu eines Tages eine Wette verliert, muss er in Frauenkleidern durch die Straßen laufen. Er sieht aus wie Sasori (Sasori ist die weibliche Hauptfigur aus einem japanischen Racheepos der 70er Jahre). In dieser Aufmachung trifft er auf Yoko, die sich grade mit einer Bande Jungs anlegt, und verliebt sich sofort in sie. Er hilft ihr, die Jungs in die Flucht zu schlagen. Yoko ist schwer beeindruckt und verliebt sich in ‚Sasori‘.

Da Yokos Wahlmutter (eine Exfreundin ihres Vaters) und Yus Vater ein Paar werden, stoßen die beiden plötzlich auch im Alltag aufeinander. Yoko hegt einen begründeten Hass gegen alle Männer (außer Kurt Cobain). Auch Yu, alias Sasori, ist keine Ausnahme.

Gleichzeitig gerät die Patchworkfamilie ins Visier der ‚Zero Church‘, einer Sekte, die unter anderem jegliche Art von körperlicher Lust hart bestraft. Getarnt als Schulfreundin schleicht sich Sektenanhängerin Aya in die Familie ein. Sie lässt Yoko glauben, sie sei Sasori, und lockt alle außer Yu ins Umerziehungslager.

Eine Rettungsaktion von Yu und seinen Freunden scheitert dramatisch. Schließlich schleust er sich selbst in die Sekte ein, läuft Amok und zündet eine Bombe. Die Öffentlichkeit ist alamiert und die Sekte wird aufgelöst. Yu wird verhaftet und aufgrund der traumatischen Erlebnisse komplett verrückt.

Nachdem sie alles durchschaut hat, will Yoko Yu aus der psychiatrischen Anstalt befreien. Doch der weiß nichts mehr von seinem alten Ich und glaubt, er sei Sasori. Erst im letzten Moment erwacht die Erinnerung an Yoko und die Vergangenheit.

Diesen beeindruckenden Film habe ich 2012 das erste Mal gesehen. Er quillt quasi über an Handlung und kuriosen Ideen. Viele Dinge passieren auf einmal und es ist nicht immer leicht, Schritt mit der Geschichte zu halten. Im Grunde ist es ein ziemlich verrückter Film, der zwar absurd, aber stets unterhaltsam ist.

Eine wichtige Rolle spielt die grundlegende Frage ‚Was ist eigentlich Perversion?‘, ‚Was ist anormal und unmoralisch?‘. Und was passiert, wenn das vermeintlich ‚Perverse‘ unterdrückt und abgelehnt wird?

Da ist zum Beispiel der katholische Priester, der es nicht schafft, das Zölibat zu halten, deshalb einen Schuldkomplex entwickelt und so zum gefundenen Fressen für die Sekte wird.

Dann wird Yu mehrfach und auf verschiedene Weise dafür bestraft, wenn er erregt ist.

Seine Freunde, die Gefallen haben am Fotografieren von Mädchenunterhosen, dürfen diese Perversion nicht nur ausleben, sondern werden dafür auch noch von einer Pornofilmagentur belohnt.

Hinzu kommen weitere Figuren, die die unterschiedlichsten ‚Perversionen‘ mit sich herumtragen und in einer Show öffentlich beichten.

Für mich ist die Botschaft des Films – neben „die Liebe siegt“-, dass nicht alles, was gemeinhin als ‚pervers‘ verschrien ist, dies auch verdient. Im Gegenteil ist es pervers, natürliche Triebe in einem Regelwerk zu unterdrücken. Deshalb steht die Strenge der katholischen Kirche hier auf einer Ebene mit der Gehirnwäsche durch die Sekte.

Genauso verwerflich ist jedoch das Zulassen von perversen Bedürfnissen, die anderen schaden. Bestes Beispiel dafür ist Aya, die früher von ihrem Vater missbraucht wurde und deshalb total abgedreht ist (der Vater erhält eine angemessene Strafe). Auch Yoko hätte fast eine ähnliche Erfahrung gemacht. Sie entwickelt deshalb einen Hass gegen alle Männer. Doch schließlich, nach langem Kampf, kann sie sich davon lösen, ihre Liebe zu Yu zulassen und ihn befreien.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.