Hanami

Hanami ist ein Film mit ganz eigener Schönheit. Er zeigt beispielhaft an Rudi Angermeyer, dass es möglich ist, auch nach dem Tod mit geliebten Menschen in Verbindung zu bleiben und Wege aus der plötzlichen Einsamkeit zu finden.

Gedreht wurde der Film von Doris Dörrie. Er erschien 2008 in den Kinos und wurde zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres. Besonders Elmar Wepper wurde für seine Darstellung des Rudi mehrfach ausgezeichnet. Weitere Hauptrollen waren besetzt von Hannelore Elsner (Trudi) und Aya Irizuki (Yu).

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Das ältere Ehepaar Trudi und Rudi Angermeyer lebt in einem bayrischen Dorf in eingefahrener Routine. Als Trudi erfährt, dass ihr Mann sterbenskrank ist, entschließt sie sich dazu, ihm dies zu verheimlichen. Da sie die verbleibende Zeit gemeinsam intensiv nutzen möchte, versucht sie aufgeschobene Träume und Vorhaben zu verwirklichen. Rudi, der nichts von den tieferen Motiven seiner Frau weiß, ist nicht besonders begeistert. Die beiden machen sich auf den Weg zu ihren erwachsenen Kindern nach Berlin. Diese sind ihnen jedoch fremd geworden und zu beschäftigt mit ihrem eigenen Leben.

Enttäuscht von dem Besuch bei Klaus und Karolin, machen die beiden noch einen Abstecher an die Ostsee. Als Trudi ganz plötzlich verstirbt, ist Rudis Welt zutiefst erschüttert. Er ist einsam und sehnt sich nach seiner Frau. Da diese immer ein großer Fan von Japan und japanischem Ausdruckstanz (Buto) gewesen war, macht Rudi sich auf den Weg nach Japan zu Sohn Karl, der dort Geschäftsmann ist.

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Auch dieser kann wenig mit seinem trauernden Vater anfangen. Rudi versucht, sich in der großen Stadt abzulenken und seinen Schmerz zu bewältigen. Doch erst die Begegnung mit der obdachlosen Yu macht es ihm möglich, tiefer zu seiner Frau vorzudringen. Yu ist eine junge Buto-Tänzerin, die ihre Mutter verloren hat. Sie hat es verstanden, trotz des Schmerzes die innere Verbindung mit der Toten nicht zu verlieren. Ihr Werkzeug ist dabei der Buto-Tanz.

Gemeinsam mit Yu macht Rudi sich auf den Weg zum Fuji. Leider ist dieser lange Zeit hinter Wolken versteckt. Doch als der Berg eines Morgens zu sehen ist, geht Rudi allein in den Kleidern seiner Frau hinaus und beginnt vor dem Berg zu tanzen. In diesem Tanz und in dieser Szenerie spürt er die Anwesenheit seiner Frau. In diesem Moment der Freude bricht er jedoch tot zusammen. Es stellt sich heraus, dass er Yu seine gesamten Ersparnisse vermacht hat, sodass sie nicht mehr in Armut leben muss.

 

Hauptthema des Films ist der Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Stirbt jemand plötzlich, hinterlässt er leere Stellen. Wir fragen uns, wie gut wir diese Person wirklich kannten und ob wir immer gut zu ihr waren. Rudis Reise in das Land, das Trudi so geliebt hat, ist Ausdruck des Wunsches nach Verzeihung für seine Unaufmerksamkeit in den langen Jahren der Ehe. Auch wird seine Sehnsucht und seine Liebe, die er sonst nicht ausdrücken konnte, hier sehr deutlich. Yu zeigt ihm einen Weg, mit der Trauer umzugehen und die Verbindung zu Trudi aufrecht zu erhalten.

Weiteres Thema ist die zwischenmenschliche Verbindung zweier Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Lebensverhältnissen kommen. Er, ein alter Bayer vom Land, trifft auf sie, die junge obdachlose Japanerin aus Tokyo. Was sie verbindet ist der Schmerz und die Suche nach den geliebten Menschen.

Hinzu kommt ein Eltern-Kind-Konflikt. Die erwachsenen Kinder haben sich von der Welt der Eltern entfernt. Sie haben selber Familie, Jobs und Hobbies. Da werden die Eltern mit ihren alten Ideen und überholten Vorstellungen den Kindern schnell lästig. Sie lieben ihre Eltern. Dennoch können sie wenig mit ihnen anfangen und der Zugang zueinander ist schwierig.

Mir gefällt dieser Film sehr gut. Es ist ein Film, der nachdenklich stimmt und auf vielerlei Weise wichtige Themen anspricht. Die Hilflosigkeit der Charaktere und die Suche nach innerer Verbundenheit werden gut zum Ausdruck gebracht. Es gibt kein Schwarz-Weiß; selbst die ablehnende Haltung der Kinder ist in gewisser Weise nachvollziehbar und natürlich. Dass Japan in diesem Film zum Ort der Suche wird, ist sicherlich der Liebe der Regisseurin zu Japan zu verdanken. Sie entwirft ein vielschichtiges Japanbild. Sowohl die schrillen Seiten der Großstädte, wenn Rudi nachts durch Tokyo irrt, als auch die ruhigen, traditionellen und spirituell angehauchten Seiten werden gezeigt. Weitere Informationen findet ihr auch auf der Homepage zum Film unter http://www.kirschblueten-film.de/ . Dort kann man sich zum Beispiel das Kinoplakat herunterladen und weitere Bilder ansehen.

Ich habe den Film erstmals 2009 auf DVD gesehen. Danach habe ich ihn noch mindestens drei weitere Male geschaut. Meine Lieblingsfigur ist Rudi. Es ist einfach toll, wie Elmar Wepper den Bayer spielt. Meine Lieblingsszene ist die, in der er sein Stofftaschentuch an ein Geländer bindet, um sich nicht in Tokyo zu verirren und kurze Zeit darauf eine Tabledancebar betritt, in der Eurodance gespielt wird. Einfach super.

Wer sich also nicht nur für Japan, sondern auch für die genannten Themen interessiert, dem kann ich diesen Film für einen ruhigen Abend empfehlen. Danach werdet ihr sicher mal wieder bei euren Eltern oder Großeltern vorbeischauen wollen. 🙂

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